Spielräume – Resonanzräume

Meine Lieblingsmagnolie im Burggarten

Babys entdecken ihre Umgebung mit allen Sinnen. Sie schmecken, ertasten, beschnuppern und bestaunen die Welt offen, neugierig und unvoreingenommen. Ein Kleinkind ist in sein Spiel so vertieft, dass es alles um sich herum vergisst. Es lebt im Moment. Ein Kind betritt den Spielplatz und wie auf Knopfdruck ist jede Müdigkeit verschwunden. Es rennt, springt, klettert, gräbt und buddelt in der Sandkiste unermüdlich und voller Elan. Es schreit voller Freude beim Schaukeln oder schreit voller Schmerz, wenn es hinfällt. Es ist das pure Gefühl.

Wo sind die Spiel- und Erholungsräume für uns Erwachsene?

Wo sind die Räume, in denen wir mit unseren Sinnen und Gefühlen ungefiltert in Resonanz gehen können?

Wir Großen brauchen die sensorischen Erfahrungen und motorischen Ausdrucksmöglichkeiten genauso wie die Kleinen.

Überall wo das Fühlen mit allen Sinnen im Vordergrund steht, dort wo wir uns in körperlich, fühlbaren und wohltuenden Situationen befinden, dort sind unsere Resonanz- und Spielräume. Bei einem Spaziergang in der Natur, bei einem köstlichen Abendessen mit guten Freunden oder bei einem berauschenden Musikerlebnis. Besonders bereichernd und belebend sind Spielräume, in denen wir uns selbst in kreativen Prozessen wiederfinden. Beim Schreiben, Malen, Tanzen, Singen, Musizieren, anregenden Gesprächen oder sportlichen Aktivitäten können wir unsere „Batterien aufladen“.

Für mich persönlich gibt es drei Räume, in denen ich in positive Resonanz zu mir und der Welt kommen kann. Meine effektivsten Hilfsmittel sind Massage, freies Tanzen und Meditieren. Für mich sind dies ganzheitliche Rituale, die mich erfrischen, ermutigen und verhindern, dass meine inneren Saboteure überhandnehmen. Weder möchte ich mich von meinen negativen Tendenzen steuern lassen, noch möchte ich in Selbstmitleid oder hausgemachten Dramen baden oder in Minderwertigkeitskomplexen oder arrogante Überheblichkeit abrutschen.

Ein wunderbarer Resonanzraum für mich und meine Klient:innen ist meine Arbeit als körpernahe Dienstleisterin. Sie begeben sich vertrauensvoll in meine Hände und lassen sich von mir berühren. Die passende Druckstärke, ein harmonischer Arbeitsrhythmus meiner fühlenden Hände sind essentiell wichtig für eine gelingende Massagebehandlung. Meine Hände wandern ohne festgelegten Ablauf entlang der Körperlandschaft. Die Gewebespannung gibt mein Tempo vor und ich verweile an Stellen mit höherer Dichte so lange wie nötig, bis zur Ent-Spannung. Wertschätzende, liebevolle und achtsame Atmosphäre schwingen ebenfalls mit. Das gute Gefühl von Regeneration und Tiefenentspannung im direkten Körperkontakt kann eben durch nichts ersetzt werden. Wie schön, dass ganzkörperliches Wohlfühlen sich nicht in digitale Welten, wie Zoom-Meetings, transferieren lässt!

Im freien Tanz werden mein Körper-Vertrauen und meine Lebendigkeit immer wieder von neuem geweckt. Improvisation, ohne Worte, zu inspirierender Musik, ohne Plan oder festgelegte Schrittvorgaben, machen den Kopf frei. Es ist Erholung pur, Urlaub vom Verstand. Jeder bewegt sich synchron mit der Musik, jeder in seinem Rhythmus, jeder in seinem eigenen sinnlichen Erleben. Je mehr ich mich von meinen Bewegungsimpulsen führen lasse, desto lebendiger und wacher werde ich. „Alte Bekannte“, wie Scham, Selbstkritik oder sonstige Hemmnisse treten in den Hintergrund. Hilfreich dabei ist das Gruppengefühl. Der ideale Ort mich auszudrücken und auszutoben. Voll Gas geben können, dem inneren Drive nachgeben zu können….da hüpft mein Herz vor Freude. Die Welt und alles rückt so nah an mich heran. Dieses Glücksgefühl macht mich dankbar. Das Paradies erscheint greifbar und ganz nah in solchen Augenblicken.

Am Ende bin ich müde, fühle mich satt und glücklich. Der Nachklang solcher wunderbaren Resonanzräume trägt einen kleinen Anflug von Wehmut in sich, doch die wache und lebendige Fülle des Erlebten bleibt. Ein solch emotionaler Spielraum wird nicht vergessen und bleibt im Körper-Spür-Sinn immer abrufbar.

Die Königsdisziplin dieser Dreifaltigkeit ist für mich die Meditation. Auch da gibt es oft Einstiegsschwierigkeiten zu überwinden. Bleib ich dran, verschwinden diese meistens und lassen pure Daseinsfreude, Dankbarkeit, heitere Gelassenheit und Zuversicht in mir hochsteigen. Tatsächlich kenne ich es als etwas, das aus ungeahnter Tiefe emporsteigt. Diese Phänomene lassen sich weder erklären noch allein mit dem Verstand erfassen. Und Garantien für intensive, spirituelle Erlebnisse gibt es auch keine. Doch immerhin wird es erst durch das Meditieren möglich gemacht. Transzendenz ist das Zauberwort. Dabei sitze ich aufrecht am Boden auf meinem Polster und schrumpfe auf meine wahre Größe gut eingebettet zwischen Himmel und Erde. Ich fühle mich dann als realer Teil von dieser Welt und gut aufgehoben im großen, kosmischen Gefüge.